Ablauf der Hamam Zeremonie

Der Besuch eines traditionellen, türkischen Hamams folgt einem festgelegten Muster. Vor der eigentlichen Reinigungs-, Massage- und Entspannungsprozedur nimmt man oft noch ein Gläschen Tee zu sich, das einstimmen soll auf die nun folgenden Anwendungen.

Nachdem man seine Kleider abgelegt hat, wickelt man sich ein dünnes Handtuch aus Baumwolle, auch Pestemal genannt, um Hüften (Männer) oder Rumpf (Frauen). Danach geht es zunächst unter die Dusche, um dort den Schweiß und Staub des Tages abzuwaschen.

Anschließend wird man von dem Bademeister Tellak oder der Badefrau Natir ins Dampfzimmer Hararet geführt. Hier befinden sich mehrere Wasserauslässe mit Warm- und Kaltwasser und in der Mitte ein großer, erwärmter Nabelstein der als Liegefläche dient, der Göbek Tas. Zunächst nimmt man neben einem Steinwaschbecken Platz, schöpft mit bereitstehenden Hamamschalen (Tas) warmes Wasser und übergießt damit mehrmals seinen Körper.

Nach der Waschung legt man sich für 10 bis 15 Minuten auf den angenehm warmen Nabelstein. Bei 50 Grad Celsius und 65 Prozent Luftfeuchtigkeit werden die Schweißdrüsen langsam in Schwung gebracht, die Poren öffnen sich. Der Kreislauf entledigt sich auf diese Weise schonend von Schlacken und Giftstoffen. Die Muskulatur wird durch die Wärmeeinwirkung gelockert, eventuelle Verspannungen werden gelöst. Das umwickelte, mittlerweile nasse Hamamtuch trägt dazu bei, dass sich der Körper weder unterkühlt noch überhitzt.

Nun ist der Körper bestens für die reinigende Peeling- und Seifenmassage vorbereitet. Mit dem Kese, so wird der Peelinghandschuh im Türkischen genannt, wird vom Bademeister bzw. -meisterin die gesamte Hautoberfläche mit sanftem Druck intensiv von Hautschüppchen und Porenablagerungen befreit, gleichzeitig wird dabei die Durchblutung des Bindegewebes angeregt und die Muskeln und Sehnen gedehnt. Auch hier erfolgen zwischendurch Warmwassergüsse, manchmal sich abwechselnd mit Kaltwassergüssen.

Im Anschluss findet die entspannende Seifenmassage statt. Mit einem Stoffballen, meist aus Leinen, wird eine Lauge aus Olivenöl- oder Alepposeife vom Bademeister bzw. -meisterin zu Schaum aufgeblasen und auf die Haut aufgetragen. Das Einseifen geht einher mit einer ausgiebigen und wohltuenden Massage. Zum Abschluss gibt es ein paar warme Wassergüsse um die Seife abzuwaschen und einen Kaltwasserguss zur Anregung des Kreislaufs.

Abgerundet wird die Hamamzeremonie im Sogukluk, dem Ruheraum, bei einem Glas Tee und frischem Obst sowie ein paar Süßigkeiten. Dort kann man gedanklich noch mal den Annehmlichkeiten dieser außergewöhnlichen Prozedur nachgehen und auf sich einwirken lassen.

Einen wunderbaren Bericht über das Cagaloglu Hamam in Istanbul finden Sie auf Fanafillah.